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| Funder | Swiss National Science Foundation |
|---|---|
| Recipient Organization | University of Fribourg – Fr |
| Country | Switzerland |
| Start Date | Nov 01, 2024 |
| End Date | Apr 30, 2025 |
| Duration | 180 days |
| Number of Grantees | 1 |
| Roles | Principal Investigator |
| Data Source | Swiss National Science Foundation |
| Grant ID | 10BP12_226006 |
Der autochthonen Dreisprachigkeit des schweizerischen Kantons Graubünden kommt seit jeher bedeutendes soziokulturelles, bildungspolitisches und ökonomisches Interesse zu.
Die sprachpolitischen Diskussionen entfalten sich vorwiegend entlang kantonaler Minderheiten und Mehrheiten und werfen dabei Fragen bezüglich Gerechtigkeit, sprachlich-kultureller Diskriminierung, identitärer Zugehörigkeiten und ökonomischer Zweckmässigkeiten auf. Graubünden ist aber ebenso von Diglossie und migrationsbedingter Vielsprachigkeit geprägt.
Letztere hat im öffentlichen Diskurs und in der empirischen Forschung bis anhin weniger Berücksichtigung gefunden, sie ruft aber die Dringlichkeit einer weitergreifenden Auseinandersetzung mit bestehenden sprachbedingten Herausforderungen und machtvollen sozialen Unterscheidungspraxen umso deutlicher hervor.
Diese Dissertation hinterfragt in macht- und differenzkritischer Perspektive die Bedeutung von Sprache(-n) und Sprechen in plurilingualem Kontext und beabsichtigt gerade einer noch wenig beachteten kantonalen Sprecher*innengruppe eine Stimme zu verleihen.
Wie erleben junge Erwachsene aus dem italienischsprachigen Teil Graubündens, die neben dem Italienischen mit einer weiteren Familiensprache aufgewachsen sind, ihre Sprache(-n) und ihr Sprechen?
Welche Wirkmacht nimmt Sprache in ihren Lebensverläufen ein, von welchen (Nicht-)Zugehörigkeitserfahrungen berichten sie und wie positionieren sie sich in Bezug auf ihre Sprache(-n) innerhalb und ausserhalb Graubündens? Diese Arbeit untersucht das Spracherleben von achtzehn jungen Menschen aus dem Puschlav, dem Bergell und dem Misox.
Einerseits im Hinblick darauf, wie diese in ihren konkreten Lebenszusammenhängen an und mit ihren Identitäten arbeiten und während den sprachbiografischen Erzählungen ihr Selbst konstruieren.
Andererseits wird über die in den Sprachbiografien hergestellten Verweise auf machtvolle Diskurs- und Differenzordnungen auch Einsicht in die für sie resultierenden Handlungs- und Gestaltungsspielräume gegeben.
Sprache(-n) und Sprechen kommt je nach Kontext ein unterschiedliches Mass an Anerkennung und Legitimation zu, was ihnen eine Wirkmacht verleiht, die als subtil agierende Kraft multiple Erscheinungsformen entfalten kann.
Die befragten jungen Erwachsenen erleben ihr sprachliches Repertoire manchmal als das Passende, sozial Anerkannte und damit Befähigende, in anderen Situationen hingegen erweist es sich es als unzureichend, ausschliessend oder eingrenzend.
Zentraler Gegenstand der sprachbiografischen Analyse ist gerade das wirkmächtige und verwobene Wechselverhältnis zwischen Selbstverortung, (Nicht-)Zugehörigkeit und Handlungsmacht in vorherrschenden Diskursordnungen.
Die sprachbiografischen Erzählungen zeigen auf, dass sich für die Befragten aufgrund der eigenen sprachlichen Repertoires kontroverse Zugehörigkeiten zu Italienischbünden ergeben. Relevant ist das Zusammenspiel von Sprache(-n) und anderen identitätsmarkierenden Faktoren, wie z.
B. dem Körper, dem Prestige der zusätzlichen Familiensprache, der Wahl des Ausbildungswegs oder der religiösen Zugehörigkeit, welche für die einzelnen Menschen bedeutsam werden.
Diese Studie diskutiert das Spracherleben junger mehrsprachiger Italienischbündner*innen gerade vor dem Hintergrund widersprüchlicher, unbeständiger und wandelbarer Mehrfachzugehörigkeiten innerhalb machtvoller kantonaler und nationaler Mehr- und Minderheitenverhältnisse.
University of Fribourg – Fr
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